Bewegung im Tennis – Wahrnehmung

BEWEGUNG IM TENNIS

In der letzten Ausgabe der flins haben wir die unterschiedlichen Basiselemente der ausgleichenden und harmonischen physischen Vorbereitung im Tennis kennengelernt.
In diesem Artikel wollen wir einen Schritt weitergehen mit der Einführung der konkreten Anwendung der Übungen im Spiel.
Tennis bedeutet Bewegung. Der Ball kommt selten direkt zu uns und in den meisten Fällen müssen wir mit unterschiedlichen Faktoren zurecht kommen: Richtung, Höhe, Kraft, Rotation, Distanz und Zeit. Die meisten Aspekte davon sind nicht unter unserer Kontrolle und bedeuten daher Stress.
Ein Weg um den Stress zu reduzieren, ist die Auseinandersetzung mit den technischen und taktischen Aspekten des Tennis. Der andere Weg ist, sich mit der “Bewegung” auseinanderzusetzen: Sei richtig aufgestellt um in der besten Position den besten Schlag auszuführen.
Es ist dieser Bewegungsaspekt, den wir gern weiterentwickeln wollen.
Wenn man mit einer größeren Aufgabe konfrontiert ist, die schwer zu erfüllen ist z. B. aufgrund von Alter, Schwierigkeitsgrad, Fähigkeiten, Motivationsmangel, dann ist es hilfreich, die Aufgabe in einzelne kleinere erreichbare Komponenten zu zerlegen. Der erste Schritt ist nicht nur der wichtigste sondern häufig auch der schwierigste.
Wir versuchen, einen Ansatz vorzustellen der kohärent ist und vielen hilft, ihre persönlichen Ziele zu erreichen.

In Bild A sind die unterschiedlichen Bewegungskomponenten im Tennis dargestellt:
bild-a

Dieser Ablauf wiederholt sind bei jedem Ballwechsel, vom ersten bis zum letzten Schlag des Spiels.
Antizipation
Wir verstehen unter Antizipation die Fähigkeit, korrekt vorherzusagen, was die nächste Aktion unseres Gegners ist. Wenn wir die Situation sorgfältig analysieren, lassen sich die Reaktionen des
1. Mach dich vertraut mit den Tennisplatz: Seine Größe wie Länge (23, 77 Meter), Breite (8, 23 Meter), und der Unterschied zwischen dem Stab und der Mitte ist 16 cm, (1,07-0,91) Die Diagonale beträgt 25, 15 Meter, das macht Crossschläge im Vergleich zu Longlineschlägen sicherer.

 

 

bild-b2. Mach dich vertraut mit möglichen Spielmustern: Im Bild B sieht man: Wenn ich selbst einen Crossball spiele, ist es sehr wahrscheinlich, dass ein Crossball zurück kommt. Ein Richtungswechsel (in Form eines Longlineballs) öffnet das Spiel und ist eine Variante, setzt aber technische, taktische und emotionale Fähigkeiten voraus.
3. Mach dich vertraut mit deinem Gegner : Was sind seine/ihre Stärken und Schwächen? Was bedeutet seine Körpersprache und sein Verhalten: Aggressiv und proaktiv versus akzetierend und reaktiv? Wo fühlt er/sie sich am wohlsten oder am unwohlsten? Was sind seine/ihre bevorzugten Spielmuster?
4. Mach dich vertraut mit dir selbst: Es ist genauso wichtig, dass du dich selbst kennst, sei dir deiner eigenen Grenzen bewußt. Es gibt Spielsituationen die wir nicht mögen. Was können wir dagegen tun? Wie fühlen wir uns physisch und emotional vor und während des Spiels? Was sollten wir einbringen oder vermeiden? Häufig begehen wir Fehler dadurch daß wir uns mit Spielzügen, die zu schwierig sind, überfordern.
Bild B

Reaktion
Die Reaktionszeit wird im Tennis dadurch beeinflusst, dass du groß oder klein bist, leicht oder schwer, flexibel oder steif. Es gibt aber auch eine Reihe von Möglichkeiten, deine Reaktionszeit zu verkürzen. Hier eine Liste von Möglichkeiten, die nicht den Anspruch auf Vollständigkeit erhebt:
– Aufwärmen vor dem Spiel
– Fussarbeit verbessern
– Konzentration
– Wahrnehmung der Körperstellung (Füße, Kniee, Hände, Ellbogen…)
– Koordination und Gleichgewicht
– Wahrnehmung ( Klang, Sicht, Berührung u.s.w…)
– Abgrenzung zwischen Unter- und Oberkörperbewegung
– Explosivkraft, Spannungszustand and Ausdauer
Geschwindigkeit
Im Tennis haben wir eine Vielzahl von Beschleunigungen, plötzliche Stops und Wechsel der Richtung. Bewegungen sind vertikal (vor und zurück), horizontal und diagonal, kurz und lang u.s.w… Wir müssen in der Lage sein, schnell unterschiedliche Bewegungsabläufe durchzuführen und uns schnell von intensiver Anstrengung erholen.
Um gut zu laufen zu können, müssen wir den Körperschwerpunkt niedrig halten.
Aufgrund der Besonderheiten des Tennis müssen wir schnell wechselnde Laufmuster trainieren: eine Mischung aus Beschleunigung und Unterbrechung, und unterschiedlichen Schritttypen: Seitschritte, Querschritte, Carioca Schritte, kleine und große. Alle diese Schritte müssen in unterschiedlichen Geschwindigkeiten durchgeführt werden.
Ein optimierter Bewegungsablauf sollte beinhalten:
1) So häufig wie möglich Eine gleichartige Bewegung in gleichen Situationen
2) Ökonimischer Einsatz der Energie
3) Beibehaltung des Gleichgewichts und Balance
4) Flüssigkeit der Bewegung (denke an einen Tänzer)
5) Keine Zeitverschwendung
Ausrichtung (des Körpers)
Die richtige Körperausrichtung ist die Voraussetzung für die richtige Durchführung des Schlags.
– Während wir uns mit den Beinen zur Aufschlagszone bewegen, müssen wir unseren Oberkörper für den Schlag vorbereiten: Körper (Torso), Schulter, Arm, Hand und Schläger
– Wir sollten vermeiden, unsere Bewegung vor dem Treffen des Balls zu unterbrechen, um die Dynamik des Bewegungsablaufes zu nutzen.
– Wir sollten keine Zeit verlieren oder verschwenden, um voll auf den Schlag zu fokussieren.
Der flüssige Bewegungsablauf, der auch mit der Atmung koordiniert ist, hat eine kontinuierliche und harmonische Durchführung zur Folge. eine Analogie kann zum Bogenschießen gesehen werden: das Ziehen des Bogens und das Loslassen des Pfeils. Wenn man in der Lage ist, diese einzelnen Elemente synchronisiert zusammen zu bringen, wird daraus eine leistungsstarke Bewegung.

Gleichgewicht
Um richtig zu treffen, müssen wir unser Gleichgewicht kontrollieren d.h. ausbalanciert sein. Was können wir machen, um unser Gleichgewicht zu verbessern? Die Antwort ist: Fitnesstrainig
– Arbeite an der Wahrnehmung der Körperbewegung (Fußgelenke, Kniee, Handgelenke und Ellbogen) durch Übungen, bei denen du auf einer sich bewegenden Plattform stehst und Kraftübungen, z.B. mit Hanteln, durchführst.
– Stärke Hüfte und unteren Rücken durch isometrische Übungen (Muskelanspannung).
– Arbeite an Kraft und Flüssigkeit der Bewegung und erhöhe den Widerstand durch Wiederholung dieser Übungen auf unterschiedlichen Schwierigkeitsniveaus über einen längeren Zeitraum hinweg.
Aber ebenso wichtig ist es, unterschiedliche Übungen auf dem Tennisplatz durchzuführen
– Trainiere Orientierung auf dem Platz durch Übungen, wie kurze Bewegungen, schnelle Rotation des Körpers, auf und ab Bewegungen des Kopfes, Richtungsänderungen.
Beobachtung
Beobachtung heißt, alle Informationen von innerhalb und außerhalb von uns zu sammeln (Gegner, Flugbahn des Balles, Spielsituation, u.s.w… ). All dies sind wichtige Information, um die Situation möglichst ganzheitlich einzuschätzen. Umsomehr wir sehen und schnell wahrnehmen, umsomehr sind wir in der Lage, die richtige Entscheidung zu treffen und die Situation richtig einzuschätzen.
Unsere Fähigkeit dazu nimmt ab, je höher unser Stressniveau ist und je geringer unsere Energiereserven, die richtigen Schlüsse aus unserer Beobachtung zu ziehen, reduziert das Stressniveau. Im Tennis besteht das Problem darin, dass der Gewinner ist, der den letzten Punkt macht. Daher ist es besonders wichtig, bis zuletzt frisch zu bleiben, wachsam und fokussiert zu sein und die Aufmerksamkeit auf dem höchsten Niveau zu halten. Das kann ich mit folgenden Fragen testen:
– Habe ich mich unter Kontrolle und fühle ich mich in meiner Position komfortabel?
– Habe ich mich richtig auf dem Platz aufgestellt? Kann ich meinen Aufwand und meinen Laufweg reduzieren entsprechend meiner Einschätzung was als nächstes passiert? Was sagt meine Position meinem Gegner? (Aggressive am Netz versus defensiv an der Grundlinie)
– Beobachte ich eine Veränderung in meinem Verhaltensmuster oder dem meines Gegners?
– Soll ich etwas verändern? Soll ich etwas vermeiden?